Sparen an der Bildung
Ich sitze in meinem Zimmer und starre auf den Bildschirm. Ich lese es schwarz auf weiß. Auf der Website meiner Universität. Da steht es:
„Alle Bauhaus-Stipendienformate sind in 2026/27 ausgesetzt.“
Ausgesetzt.
Ich lese den Satz dreimal. Vielleicht viermal.
Die Bauhaus-Universität Weimar hat alle ihre Stipendienformate für das Jahr 2026/27 ausgesetzt. Alle. Bachelor, Master, Promotion, Forschung, die Abschlussstipendien für herausragende Abschlussprojekte. Den Werkstätten wurden die Gelder gestrichen. Auch das Studierendenwerk Thüringen gerät unter Finanzdruck. Die Landesmittel werden um rund 800.000 Euro gekürzt, die bisherige 3-Prozent-Steigerung für Inflation und Tarifanstiege wird für 2026 ausgesetzt. Das bedeutet – Semesterbeitrag steigt, nicht alle Cafeterien können erhalten bleiben, Essenspreise für Mitarbeitende und Gäste steigen. Alle Leistungsbereiche außer dem studentischen Wohnen werden von den Kürzungen betroffen. Die Studierenden zahlen also mehr und bekommen weniger, während ihre Stipendien wegfallen.
Was in Thüringen passiert, ist aber nur ein Teil einer besorgniserregenden bundesweiten Entwicklung. Nordrhein-Westfalen z.B. plant für 2026 Kürzungen von mehr als 100 Millionen Euro bei den Hochschulen. Schätzungen gehen sogar von bis zu 150 Millionen Euro pro Jahr aus.
In Berlin wurde der erst 2024 verhandelte Hochschulpakt wieder aufgekündigt. Nach 280 Millionen Euro Kürzungen in 2025, sind weitere Einsparungen von insgesamt 165 Millionen Euro vorgesehen: 81 Millionen Euro im Jahr 2026 und 84 Millionen Euro im Jahr 2027. Es droht Abbau von bis zu 25 000 Studienplätzen.
Die Landesregierung von Hessen hat die Sparzwänge direkt in den neuen Hochschulpakt für 2026 bis 2030 eingeschrieben. Die Hochschulen müssen nun entscheiden, wo sie sparen – sei es bei Professuren, Studienplätzen oder ganzen Instituten.
Auch die Universität Hamburg leidet unter einer strukturellen Unterfinanzierung. Ein sogenannter Strukturprozess sieht bis 2032 Kürzungen von durchschnittlich 13 Prozent vor, in einigen Fakultäten sogar bis zu 24 Prozent. Der Semesterbeitrag für Studierende wurde um etwa 50 Euro erhöht. Bis 2032 sollen bis zu 400 Vollzeitstellen in allen Bereichen gestrichen werden. Es wird weniger Lehrangebote geben, und kleinere Studiengänge könnten dadurch verschwinden.
Auch die staatlichen Mittel werden reduziert: Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat etwa weniger Fördergelder erhalten.
Gleichzeitig – im gleichen Haushaltsjahr, im gleichen Land, unter der gleichen Regierung – steigen die Militärausgaben. Die Bundesregierung, diese ehrbare Versammlung von älteren Herren, die immer so gern von Frieden und Sicherheit reden, gibt dieses Jahr 108,2 Milliarden Euro für das Militär aus. Das ist der höchste Stand seit Ende des Kalten Krieges. Nach dem NATO-Ziel von 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts bis spätestens 2035 plant Deutschland, diese Marke bereits 2029 zu erreichen. Das bedeutet: innerhalb weniger Jahre werden jährlich 150 bis 152 Milliarden Euro in Aufrüstung fließen.
2026 in Deutschland gilt offenbar wieder einmal: Kanonen haben Vorrang vor Butter.
Sie nennen es Prioritätensetzung. Ich frage mich, wessen Prioritäten sind das? Sind das wirklich die Prioritäten, die wir als Gesellschaft setzen wollen? Und wie lange haben wir noch, bevor wir nicht mehr in den Hörsälen sitzen, sondern in den Schützengräben?

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